Donnerstag, 16. Oktober 2008

Stierkampf

Obwohl ich schon wusste, dass es mir wohl eher nicht gefallen würde wollte ich doch unbedingt wenigstens einmal hin. Und während der Fiestas del Pilar fand jeden Tag ein Stierkampf statt, das nutzen wir aus. Am Montag war es dann soweit und wir haben uns mit einigen Leuten in der Arena eingefunden. Da wir an einem Tag gingen, an dem eher weniger bekannte Matadore ihr Können gezeigt haben, waren die Karten günstiger als gedacht und wir haben ganz gut gesehen.

Erst wurde eine übliche Zeremonie abgehalten, die Matadore, ihre Helfer und das ganze Team ist einmal durch die Arena und hat sich sozusagen vorgestellt. Dann ging es auch recht flott los. Insgesamt wurden 6 Stiere von 3 Toreros und ihren jeweiligen Helfern zur Strecke gebracht. Alles folgt einem bestimmten Ablauf. Der Stier wird erst mal reingelassen, er tobt sich ein bisschen aus, die Matadore machen hier noch nicht viel außer den Stier in eine Ecke zu locken und sich dann zu verstecken um dann den Stier wieder von einem anderem Helfer in eine andere Ecke locken zu lassen. Wenn es etwas ruhiger geworden ist kommen zwei Reiter mit langen Lanzen (Picadores) in die Arena, sobald der Stier auf die geschützten und blinden Pferde losgeht hauen die Reiter dem Stier ihre Lanze in den Rücken und stochern darin herum. Hier fließt auch das erste Blut. Das wird 2 mal gemacht und dann reiten die Pferde wieder raus.
Danach wurde versucht von den Helfern 6 gelb-rote Spieße (Banderillas) in dem Rücken des Stieres zu versenken, so dass diese möglichst hängen bleiben. Das gelang mal mehr mal weniger gut und je nach dem applaudierte auch das Publikum.
Dann kam der Matador dran, er versucht seine Überlegenheit gegenüber dem Stier zur Schau zu stellen. Die Stiere sind da schon schwer verletzt und einer schrie auch herzerweichend. Da stieg mir ein Tränchen in die Augen. Diese letzte Phase zeigt wie gut der Matador ist. Nach einigen Paraden, die sich über Minuten ziehen, wird dem Stier ein Degen zwischen die Schulterblätter gestoßen. Der Degen muss möglichst tief stecken bleiben und Ziel ist es ihn durch das Herz zu stoßen, das schaffen aber selbst die guten Matadore nur selten. Bei 5 der 6 Stiere bei den Kämpfen die ich gesehen habe ist dies nicht gelungen, das heißt dass der Stier noch ein bisschen gegen 4 oder 5 Männer antritt, diese ihn ein bisschen scheuchen und dann wird der Stier durch einen Stich in den Nacken mit einem Dolch getötet. Auch das ist scheinbar nicht immer so einfach. Einer der Stiere musste sehr lange leiden, was als Schande gesehen wird, und zog einige Buhrufe nach sich. Dann wird der Stier hinter 3 Pferde gespannt und kurz durch die Arena gezogen.
Wenn der Matador besonders gut war schwingt das Publikum nach dem Kampf mit Taschentüchern und der Präsident der Arena entscheidet ob er mit einem, zwei oder zwei Ohren und dem Schwanz belohnt wird. Ich fand alles sehr grausam aber auch interessant. Strenge Regeln werden befolgt und das Publikum ist sehr wachsam. Gute Matadore werden wahnsinnig bejubelt und schlechte ausgepfiffen. Ich möchte es nicht mehr sehen, es war aber interessant und eine Erfahrung wert.

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